Ein paar bewegte Bilder

Hallo Menschen und Liebhaber des geschriebenen Wortes,

ich tauche wieder aus der Versenkung auf und muss euch auch gleich enttäuschen. 
Denn statt Geschriebenem wird es Bewegtes geben. Ist aber auch ganz nett.
Hier ein kleines aber feines Video von meinem Aufenthalt in Frankreich.




Bis ganz bald!

Karneval

Hier laufen die Dinge ein wenig anders. 

Wenn dir in Berlin für eine Homeparty jemand ein Moto ankündigt, triffst du vor Ort ironisch verkleidete Mädchen und Jungs mit nem Alibimützchen zum Thema an. Und irgendwie finden es alle lustig und süß, aber mögen Mottopartys dann irgendwie doch nicht so. Aber wenn jemand wirklich, aber so richtig transformed ankommt, dann werden Blicke geerntet, oh meine Freunde, dann hat's jemand "aber richtig ernst genommen" und man "muss ja nicht gleich übertreiben".
Hier aber meine Lieben, am Schlosse Ruzière, hier laufen die Dinge halt eben ein wenig anders.
Wir hatten das Thema: Orient. Und wenn da steht Orient, dann wird auf Orient gemeint. So kam es, dass ich gestern Ölscheiche, eine magische lebende Lampe, ein paar Alibabas und Aladins und so einige mehr angetroffen habe und mich ein wenig underdressed gefühlt habe, mit meinem Sari (der nicht mal wirklich orientalisch ist) und meinem Entschuldigungslächeln dass aussagen sollte: "Sorry, aber ich wollte es nicht übertreiben."


 Ein speziell aus Abu Dhabi eingeflogener Scheich


 Eine bezaubernde orientalische Tänzerin

Eine Dame die verkauft wurde und jetzt für uns moderiert 

Die magische Lampe

Das ist Mamalouk

Warum gibt es Mamalouk? 

Nachts, wenn das Schnarchen aus den Zimmern dringt und unbewusst Satzfetzen gemurmelt werden, wenn auf Traumwiesen gewandert und vom Dessert des nächsten Tages geträumt wird, macht sich jemand auf, auf Zehnspitzen, heimlich und leise, die Treppenstufen unseres Schlosses hinunter, den Flur entlang und schleust sich in die Zentralküche, wo am Tag jeweils das Mittag und Abendessen vorbereitet wird. Dort lagert in Truhen aus Metall und Plastik, auch Kühlschränken genannt, Käse, Kekse, Milch und Honig. 
Dieser jemand, seiner Dreistigkeit sich nicht bewusst, oder sie durch seinen unstillbaren Appetit überschattend, bedient sich großzügig an eben all diesen Köstlichkeiten und verschwindet, so wie er gekommen ist, ohne auch nur einen einzigen Hinweis auf seine Identität zu hinterlassen.
Am nächsten Tag, stehen wir dann also da, unsere Köchin und unsere Equipe und machen erst einmal Inventur um herauszufinden, was wieder verschwunden ist.
Da dieses Vorkommnis schon etwas Komisches hat, haben unsere éducateurs sich ein satirisches Spiel ausgedacht, um dem/den Täter/n so ein wenig ein schlechtes Gewissen zu machen. 
Sie riefen Mamalouk ins Leben, den Elefanten der nachts heimlich kommt und nascht. Um in Mamaluks Grotte zu gelangen und unsere Leckereien zurückzuerlangen, mussten wir zuerst einen Parkour durchqueren, um dann anschließend, an seinem Tor anzulangen: Einer Kühlschranktür. Zwei éducateurs, verkleidet als Huhn und Frau (ehhh, warum auch nicht?) standen dann vor ihm, bewaffnet mit zwei umgedrehten Schildern. Zeigte man auf das eine, musste man in tosendes Lachen ausbrechen und auf das andere in bestürzendes Weinen und Kreischen, um die magische Kühlschranktür zu öffnen.
Begleitet von einem Harfenlaut und einem Quietschen ging die Pforte von Mamalouk dann auf und unsere Abenteurer verschwanden nach drinnen, nur um dann 10 Sekunden später, triumphierend mit einem verschlossenen Paket herauszukommen. 
Mit großen Augen und offenen Mündern warteten wir dann darauf herauszufinden, was sich denn in dem Paket befindet. Die Spannung stieg, als es aufgerissen wurde. Ratsch. Die Hand greift nach drinnen und fischt etwas raus. Langsam, langsam. Und ohhh, es ist doch nur etwas Packpapier. Aber halt! Das befindet sich noch etwas drinne! Und, und was ist es? Die Hand streckt  etwas in Plastik eingewickeltes nach oben... was aussieht wie ein, nein, wirklich jetzt? Wow. Großes Kino. Es ist ein Fisch. Richtiger Schatz, Mamalouk. Danke.
Glücklicherweise gab es mehrere Runden, wo tatsächlich einige Schätze zu Tage befördert wurden... in Form von, Eurotalern und Maoam, dass wir uns im Nachhinein alle geteilt haben.

Am Abend, gab es dann noch Tänze und Gesänge, Vorstellungen und Theater, Kouskous und Limo, nur damit sich dann alle vollen Bauches, glücklich ins Bett rollen und von Tausend und einer Nacht träumen konnten.

Der mysteriöse Fall des fehlenden Winters

Ich weiss ja nicht wie es bei euch aussieht, aber ich lag am Wochenende auf der Bank, auf der Terrasse, im Garten, in der Sonne und habe meinen Vitamin D Vorrat ein bisschen aufgetankt.
So sehr ich mich auch über diese wunderbare Sonne freue und so sehr ich sie auch vermisst habe, vor allem weil letztes Jahr in Berlin der Sommer irgendwie ausgefallen ist, finde ich es auch befremdlich, dass mir das Thermometer am Sonntag fast 20 Grad angezeigt hat... Mitte Januar.
Heute kamen die Compagnons ganz aufgeregt zu mir angerannt und haben mir erzählt, dass sie schon die ersten Schmetterlinge des Jahres entdeckt haben. 
Ich selber beobachte auch, wie die ersten Knospen immer dicker und dicker werden und die Rosen sich wieder öffnen. Und dabei hätte ich schwören können, dass sie doch erst gestern verwelkt sind.
Der Höhepunkt war echt gestern, als ich bei der Arbeit im Gewächshaus nur ein T-Shirt anhatte... Ich wollte wenigstens die Mütze anlassen, um den Winter nicht zu verhöhnen und ihm wenigstens etwas gefühlte Kälte vorzugaukeln, aber es ging einfach nicht. 
So schön das alles ist, es fühlt sich irgendwie falsch an. Vielleicht auch nur, weil alle sagen es ist nicht normal, und vielleicht auch nur, dass man es sonst nicht anders kennt. 
Aber ich fühle mich selber etwas verloren, wie die Schmetterlinge, die sich wundern, warum noch die meisten Blumen schlafen und deshalb nicht wissen, wo sie sich hinsetzten sollen. 


Hoffen wir jetzt einfach, dass die Kälte die jetzt in den USA herrscht uns verschont und dass Leben das gerade erwacht, nicht wieder mit einem Schneefall von uns nimmt.

(die Amseln machen grade Frühjahrsputz und schmeissen mit den Blättern rum)


Ausländertagebuch, Eintrag Numéro 1

"Es ist ja nicht schlimm Justyna, dass du das falsch gemacht hast, du verstehst ja nicht so gut Französisch..." Wenn ich eine Ader auf meiner Stirn hätte, so eine richtig große, dicke, die man normalerweise nicht sieht, die aber immer dann hervortritt, wenn man kurz vorm ausrasten ist, dann würde die jetzt anfangen richtig heftig zu pochen. "Hier siehst du, so macht man's richtig," erklärt mir dann weiter der Gärtner und schwingt die Harke lässig über den Boden. "Hast du's verstanden?"
"NEIN ICH HAB'S NICHT VERSTANDEN, BITTE BITTE ERKLÄRE ES MIR NOCHMAL!"
"Wooow, ganz ruhig, ich schnauze dich ja auch nicht an." Ja, recht hat er. In diesem Falle versteht er es aber nicht. Er ist kein Ausländer.
(Kurz zur Klarstellung "des Verständnisses": Mir hat mein super Gärtner vorher nicht erklärt, wie man denn eigentlich jetzt die kleinen Gemüsefelder anlegen soll und nachdem ich fast das ganze Gewächshaus umgewühlt habe, er einige Male gekommen ist und mir gesagt hat, das alles bien ist, entscheidet er sich dann wirklich im letzten Augenblick dazu, etwas an meiner Arbeit auszusetzen. Ich besitze schon die nötige Demut einzusehen, wenn der Fehler auf meiner Seite lag, sei es des Verständnisses oder der Arbeitsweise wegen, natürlich ohne jemanden anzuschnauzen, aber da war das einfach nicht der Fall. So.)

Ich bin noch nicht lange hier. Vielleicht so 3 1/2 Monate. Dafür, dass es echt erst so eine kurze Zeit ist, verstehe ich sehr, sehr viel. Was nicht daran liegt, dass ich irgendwie begabt bin, sondern daran, dass ich mich tatsächlich für diese Sprache interessiere und mich intensiv mit ihr auseinandersetzte (sei es durch lesen, Übungen lösen, schreiben oder einfach die Wand vor meinem Schreibtisch anstarren, die zu tapeziert ist mit französischer Grammatik)
Das war unteranderem auch der Grund, weshalb ich so sauer, aber vor allem gekränkt war, als mir vorgeworfen wurde "nicht so viel zu verstehen". Weil ich einfach sehr viel Zeit in das Lernen dieser Sprache investiere und Herzblut und Leidenschaft und Hoffnung irgendwann mit einer Baskenmütze durch Paris zu laufen, von einem schönen Franzosen angesprochen zu werden, der mich nach meiner Handynummer und dem Ort meiner Herkunft fragt, und der dann ganz überrascht ist, wenn ich sage, dass ich aus Berlin komme, einfach weil ich so perfekt, akzentfrei reden kann...
Wenn man dann also sagt: "Du verstehst ja nicht so viel." Ist dass nicht nur eine falsche Behauptung, sondern auch ein Angriff auf all das, was ich bereits investiert habe und noch investieren werde.

Glücklicherweise gehöre ich nicht zu der Sorte Mensch, die sich von solchen Sprüchen entmutigen lässt. Ganz im Gegenteil. Ich rege mich dann ein bisschen auf und nutze diese Energie, um sie an meinen Bücher auszulassen. AHHHH, NIMM DAS CONDITIONNEL PASSÉ!
Im Endeffekt, auch wenn es jetzt noch nicht so wirkt, sind dass die Art von Sätzen, die einen am Weitesten bringen werden. Denn man will sich beweisen, dass man es doch kann. Nicht mal dem jenigen, der einem solche Dinge gesagt hat, sondern zu seiner eigenen Genugtuung.

In diesem Sinne, Kopf hoch, an alle die eine Sprache lernen und lasst euch von wirklich NICHTS entmutigen. 


une semaine sans mes compagnons

Diese Woche haben meine Compagnons Ferien gehabt und während ich mit meiner Mitfreiwilligen bei 25 Grad im Garten und Gewächshaus geackert habe, gemütlich Hamburger in Paris gemampft und ihre Familien besucht. 
Grund für mich, endlich einen tieferen Einblick in die Struktur und Arbeit der "Landwirtschaft" zu erhaschen. Diese Woche haben wir mit Heléne Erdbeeren angepflanzt. Und weil wir es Leid sind, immer wieder das Unkraut zupfen zu müssen, einfach einen Karton drunter gelegt, damit da erst gar nichts sprießen kann, HA!


Ob das auch funktioniert, wird sich dann mit der Zeit zeigen. Bis jetzt zeigen die Erdbeeren jedenfalls keine Anzeichen von Missfallen am Karton. Weil wir zu viel Platz hatten mussten wir uns noch was überlegenen, was wir daneben pflanzen. Kurzer Hand entschieden wir uns für Rucola. Warum? Jeder liebt Rucola, deswegen.



Beim Stöbern in den Kammern, wo Gartenzeugs, Blumen und Salatsamen aufbewahrt werden, kann man schöne Sachen finden. Hier ein Schild, das den Weg Richtung der wunderschönen Gärten Tivoli's weist (Tivoli ist im Übrigen der Name für den Ort wo ich wohne).


Und wie schon am Anfang erwähnt hatten wir einfach unglaubliches Wetter. Ich konnte gar nicht aufhören zu sagen wie "incroyable" das ist, weil ganz ehrlich, es ist fast November Leute, und wir essen bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher draußen im Garten bei einer milden Brise. 


Es hat uns ein wenig in die Fernöstliche Küche verschlagen. Mais franchement, die Sushirollen von meinem Lieferservice um die Ecke in Berlin sind besser als das, was wir da fabriziert haben. Schön aussehen tut es trotzdem.


Ich hoffe ihr hattet eine ebenso fantastische Woche, mit Sonne, Schmetterlingen und viel Liebe. 

Bis dahin mes amis!